Wie funktioniert eigentlich ein Strafprozess? Wer entscheidet über Schuld oder Unschuld? Und wie schwierig ist es, auf Grundlage von Zeugenaussagen und Beweisen ein gerechtes Urteil zu fällen?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Klasse 9a im Sozialkundeunterricht der Carl-Orff-Realschule plus im Rahmen eines Planspiels zum Thema Strafprozess.
Im Mittelpunkt stand der fiktive Fall „Wayne“: Ein junger Mann musste sich wegen des Vorwurfs des Totschlags vor Gericht verantworten. Die Schülerinnen und Schüler übernahmen dabei sämtliche Rollen eines echten Strafverfahrens. So schlüpften sie unter anderem in die Rollen von Richterinnen und Richtern, Staatsanwaltschaft, Verteidigung, Angeklagtem, Zeuginnen und Zeugen sowie Schöffinnen und Schöffen.
Während der Verhandlung wurden Beweise ausgewertet, Zeugenaussagen hinterfragt und Argumente ausgetauscht. Die Lernenden mussten dabei stets zwischen Vermutungen, Indizien und gesicherten Fakten unterscheiden. Besonders deutlich wurde, wie anspruchsvoll die Wahrheitsfindung in einem Gerichtsverfahren sein kann und welche Verantwortung die Beteiligten tragen.
Ein besonderer Bestandteil des Planspiels war die Urteilsberatung mithilfe der Fishbowl-Methode. Hier diskutierten ausgewählte Schülerinnen und Schüler ihre Einschätzungen offen vor der Lerngruppe, während die übrigen Beteiligten die Argumentation beobachteten und reflektierten. Dadurch wurde deutlich, wie unterschiedliche Sichtweisen zu verschiedenen Bewertungen eines Sachverhalts führen können.
Am Ende des Prozesses wurde von den Schülerinnen und Schülern ein Urteil gefällt. Anschließend löste Benjamin Sund den tatsächlichen Tathergang auf und stellte den realen Ablauf der Ereignisse vor. Dadurch konnten die Lernenden überprüfen, inwieweit ihre Einschätzungen und ihr Urteil mit den tatsächlichen Geschehnissen übereinstimmten. Dies führte zu spannenden Diskussionen über Gerechtigkeit, Beweiswürdigung und die Herausforderungen gerichtlicher Entscheidungen.
Das über zwei Unterrichtsstunden angelegte Planspiel bot der Klasse 9a die Möglichkeit, zentrale Inhalte des Sozialkundeunterrichts praxisnah und handlungsorientiert zu erleben. Gleichzeitig wurden wichtige Kompetenzen wie Argumentationsfähigkeit, Perspektivübernahme, kritisches Denken und demokratische Diskussionskultur gefördert.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten während des gesamten Prozesses großes Engagement und bewiesen, dass politisches und rechtliches Lernen besonders nachhaltig sein kann, wenn es aktiv erlebt wird. Das Planspiel war daher für die gesamte Lerngruppe eine ebenso spannende wie lehrreiche Erfahrung.

